Geht Sous-vide-Garen auch ohne Vakuumierer?
Du hast einen Sous-vide-Garer geschenkt bekommen, besitzt aber keinen Vakuumierer â musst Du jetzt sofort ein SpezialgerĂ€t anschaffen oder geht es auch ohne? SchlieĂlich bleibt Essen doch Essen oder was ist das Problem mit der Luft? Fragen ĂŒber Fragen, fĂŒr die es relativ einfache Antworten gibt.
Warum ist ein Vakuumierer fĂŒr das Sous-vide Garen wichtig?
Inhaltsverzeichnis
Beginnen wir am besten ganz von vorn. Warum sollte man Lebensmittel vakuumieren wollen? Nun, das Vakuumieren schĂŒtzt Deine VorrĂ€te vor Oxidationsprozessen. Durch den entstehenden Ăberdruck bleiben FlĂŒssigkeiten in den Lebensmitteln und mit ihnen ihre Inhaltsstoffe.
- SÀmtliche Lebensmittel bleiben frisch und haltbar. Du kannst vakuumverpackte Lebensmittel bis zu achtmal lÀnger lagern!
- GemĂŒse sieht besser aus, wenn es luftdicht weiterverarbeitet wird und bleibt knackig. Da das Auge bekanntlich mitisst, ein wesentlicher Effekt.
- Die Lebensmittel aus dem Vakuumbeutel sehen nicht nur gesĂŒnder aus, sie können es auch wirklich sein. Vitamine und Mineralien bleiben in dieser Form optimal erhalten.
- Es werden sehr lange Garzeiten möglich. Ein Austrocknen der Speisen wird durch die UmhĂŒllung ausgeschlossen.
- Ein weiterer Vorteil liegt in der unabhÀngigen Vorbereitung. WÀhrend Du die Lebensmittel vakuumierst, kannst Du sie sogleich portionieren. Dies muss nicht zwingend direkt vor dem Garen geschehen.
Du kannst Dir Deine Zeit frei einteilen und immer konkret so viel zubereiten, wie Du tatsĂ€chlich benötigst. Die Vakuumbeutel lassen sich auch wunderbar einfrieren. Diese Optionen sind perfekt fĂŒr gröĂere Familien und Festlichkeiten, bei denen Du keine Zeit mit langen Vorbereitungen in der KĂŒche verschwenden möchtest.
Warum sollte jemand beim Sous-vide-Garen auf das Vakuumieren verzichten wollen?
Es sprechen also gute GrĂŒnde fĂŒr das Vakuumieren. Dennoch ist ein VakuumiergerĂ€t eine kostspielige Anschaffung, die zudem spĂ€ter in der KĂŒche irgendwo untergebracht werden muss.
In kleinen RÀumen ist es der Wohnlichkeit wegen tunlichst zu empfehlen, nicht mehr GerÀte als zwingend notwendig zu lagern. Hier sind derartige Bedenken mehr als angebracht. Erst recht, wenn das Sous-vide-Garen nur eine seltene Freude sein wird, das Prinzip also gar nicht hÀufig genug zum Einsatz kommt, um die Kosten zu rechtfertigen.
Ein weiterer guter Grund, sich zu fragen, ob das Sous-vide-Garen nicht auch ohne Vakuumierer funktioniert, ist die dadurch gegeben SpontanitĂ€t. So könntest Du zum Beispiel von dem geringeren Materialumfang profitieren, wenn Du verreist oder vorĂŒbergehend auswĂ€rts wohnst und nur das Notwendigste mitnehmen magst.
Gibt es denn Alternativen zum Vakuumieren von Speisen?
ZunÀchst einmal: ja, es ist möglich, ohne Vakuumierer vom Sous-vide-Garen zu profitieren. Allerdings sei gleich gesagt, dass die Ergebnisse nicht denen entsprechen, die mit dem professionellen Verfahren erreicht werden. Die luftdichte Versiegelung trÀgt wesentlich zur Geschmacksentwicklung Sous-vide-gegarter Speisen bei.
Aber vielleicht probierst Du die gĂ€ngigen Alternativen zum Garen ohne Vakuumierer einfach aus und fĂ€llst Dein Urteil selbst. Es ist an sich nicht schwer, sich entsprechend zu behelfen. Du nutzt entweder wiederverschlieĂbare Zipperbeutel oder den Wasserbad-Trick. Beide Varianten arbeiten mit Gefrierbeuteln. Eine weniger konventionelle, aber auch funktionsfĂ€hige Idee ist der Strohhalm-Trick.
Ist es Dein Anliegen, auf Kunststoff zu verzichten, landest Du an diese Stelle allerdings in einer Sackgasse. Hierzu kannst Du Dich aber gern mit dem Thema Sous-vide ohne Plastik auseinandersetzen. Angeraten werden in diesem Sinne Silikonbeutel und GlasbehÀlter.
Sous-vide mit dem Zipperbeutel
Zipperbeutel sind nicht nur wiederverschlieĂbar, sie schlieĂen auĂerdem luftdicht ab. Gelingt es Dir, möglichst viel Luft aus dem Beutel zu drĂŒcken, bevor Du die vorbereiteten Lebensmittel darin vollstĂ€ndig verschlieĂt, kommt die Methode nah an das Vakuumier-Verfahren heran. Im Optimalfall kombinierst Du die Zipperbeutel-Methode mit dem Wassertauchtrick.
TIPP: Es ist deutlich einfacher, den Beutel luftdicht zu verschlieĂen, wenn der Verschlussbereich des Beutels beim BefĂŒllen sauber bleibt. Stelle dafĂŒr den Beutel wĂ€hrend des BefĂŒllens in ein stabiles GefÀà und schlag den oberen Bereich um. So kommt er beim EinfĂŒllen nicht mit SoĂen oder Marinaden in Kontakt.
Sous-vide mit dem Wasserbad-Trick
Die Tauchmethode ist eine naheliegende Alternative zum Vakuumieren:
- Du bereitest Lebensmittel und GewĂŒrze wie gewohnt vor, schneidest und portionierst sie.
- Dann fĂŒllst Du sie in hitzebestĂ€ndige GefriertĂŒten um. Die TĂŒten sollten fest schlieĂen.
- AnschlieĂend bereitest Du ein Wasserbad in einem groĂen Topf mit Deckel vor. Der Topf sollte groĂ genug sein, um die TĂŒte problemlos aufzunehmen. Sie sollten darin komplett von Wasser bedeckt sein. GrundsĂ€tzlich funktioniert es auch mit einem Waschbecken und heiĂem Wasser aus dem Hahn.
- Leg den Beutel bis zum Rand in das entsprechend erwĂ€rmte Wasser. Eine Ecke sollte immer noch offen stehen. So drĂŒckt sich die Luft beim Eintauchen nach und nach aus dem Beutel heraus. Sieh zu, dass so viel Luft wie möglich entweichen kann. Senk den Beutel nur langsam ab, um dem Vorgang etwas Zeit zu geben.
- SchlieĂe erst dann den Beutel vollstĂ€ndig. Hier eignen sich Zipperbeutel perfekt, weil sie sich sehr sauber und unkompliziert schlieĂen lassen.
- Nun kannst Du die Lebensmittel wie gewohnt im Sous-vide-Verfahren weiterverarbeiten.
Sous-vide mit dem Strohhalm-Trick
Möchtest Du spontan Lebensmittel mit dem Sous-vide-Verfahren Garen, hast aber keine Vakuumiermöglichkeit, bietet sich der Strohhalm-Trick an. Hierbei verwendest Du ebenfalls einen Gefrierbeutel. Diesen schlieĂt Du so, dass eine kleine Ăffnung ĂŒbrigbleibt, in die Du einen Strohhalm einfĂŒhrst. Möglichst ohne in Kontakt mit den Speisen zu kommen, saugst Du nun die Luft ĂŒber den Strohhalm mit dem Mund aus der TĂŒte und verschlieĂt sie. (Den Strohhalm musst Du natĂŒrlich entfernen.)
Probleme, die sich aus dem Sous-vide-Kochen ohne Vakuumierer ergeben können
WÀhrend Du die Gefrierbeutel ins Wasserbad tauchst, sind sie zunÀchst noch offen. Es besteht die Gefahr, dass Wasser in das Innere des Beutels eindringt und die Lebensmittel verwÀssert.
AuĂerdem arbeitest Du mit dem Beutel im heiĂen Wasser. WĂ€hrend des VerschlieĂens kann es zu Verbrennungen kommen. Da das Wasser nicht unbedingt kochend heiĂ ist, sind vielleicht keine ernsthaften Verletzungen zu erwarten. Unangenehm kann die Situation aber doch sein. Vielleicht möchtest Du lieber mit BehĂ€ltern arbeiten, die Lebensmittel ganz ohne vorausgegangenes Vakuumieren aufnehmen.
Die Strohhalm-Methode ist hygienisch nicht ganz unbedenklich. Mit der Atemluft können Bakterien in die TĂŒte gelangen, die bei den geringen Gartemperaturen, wie sie fĂŒr das Sous-vide-Verfahren ĂŒblich sind, nicht unbedingt abgetötet werden.
Achte an sich auch auf die QualitĂ€t der GefriertĂŒten oder BehĂ€lter. Sie mĂŒssen unbedingt hitzebestĂ€ndig sein und sollten sich Lebensmittel neutral verhalten.
Ist kein Vakuumierer zur Hand, muss das Sous-vide-Gericht nicht ausfallen
Zusammengefasst kann man sagen: Es geht auch ohne Vakuumierer, echtes Sous-vide-Kochen ist dies aber nicht. Der Effekt ist weniger ĂŒberzeugend, da immer noch Luft im Beutel zurĂŒckbleiben wird.
NatĂŒrlich ist dies fĂŒr gelegentliche KĂŒchenexperimente kein Problem, wer es aber drauf anlegt, sollte sich tatsĂ€chlich einen Vakuumierer anschaffen. Die GerĂ€te eignen sich auĂerdem hervorragend zum Einfrieren von Lebensmitteln. Durch die fehlende Luft im Gefrierbeutel wird deutlich weniger Platz in der Gefriertruhe belegt.
